Warum die Fitnessbranche boomt

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Warum die Fitnessbranche boomt

Die Fitnessbranche hat sich seit Anbeginn der 1980er Jahre massiv verändert. Der neue “Lifestyle”, der Fitness, Bodybuilding und eine relativ gesunde Lebensweise damals noch harmonisieren konnte, wurde durch Athleten wie Steve Reeves oder Arnold Schwarzenegger gelebt, geprägt und repräsentiert. Heute, rund 30 Jahre später, hat sich der unkonventionelle Fitness-Lifestyle der 80er Jahre zu einem wahren Fitness-Wahn entwickelt und eine milliardenschwere Branche entstehen lassen.

Die Marktentwicklung in Deutschland

In Deutschland hat sich der Umsatz der Fitnessbranche in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Rund 8 Millionen Deutsche zahlen jeden Monat pünktlich ihren Mitgliedsbeitrag in einem der knapp 7500 Fitnessstudios der Bundesrepublik. Von den 18 bis 65 – Jährigen trainiert bereits jeder 10. in einem Fitnessstudio oder Fitnessclub. Gerade bei den Älteren steht hier ein gesundheitsvorbeugendes Training im Vordergrund, berichtet die Präsidentin des Arbeitgeberverbandes der privaten Sportstudios, Fitness-, Wellness- und Racket-Anlagen (DSSV), Birgit Schwarze.

Aber auch Zumba- und Bauch-Beine-Po Kurse oder Bauchmuskel-Training sind bei vielen Mitgliedern besonders gefragt und lassen bei kleinen und großen Fitnessketten die Kassen klingeln. Der Mitgliederzuwachs ist bei den Discount-Anbietern der Fitnessindustrie besonders stark. Doch auch Premium-Anbieter mit “rund-um-sorglos-Wellnesspaketen” jenseits der 30 Euro Monatsbeitrag verbuchen zunehmend mehr Marktanteile. Schätzungen zufolge stellen die Frauen sogar die Mehrheit unter allen Mitgliedern in Fitnessclubs. Wer hätte das gedacht? Allerdings reagieren besonders die jungen Mitglieder sehr sensibel auf Preisveränderungen im Angebot. Bei dieser Kundengruppe steht der Preis im Vordergrund. Auf Zusatz- und Serviceleistungen wie Sauna, Duschen oder Massagen wird überdurchschnittlich oft verzichtet – zugunsten der Discount-Anbieter.

Strong is the new “skinny” – das neue Schönheitsideal bei jungen Menschen

Noch rasanter ist die Veränderung des allgemeinen Schonheitsideals. Während in den 1980er Jahren nur wenige Frauen und Männer großen Wert auf ausgeprägte Muskeln, straffe Beine oder definierte Bauchmuskeln gelegt haben, sieht das heute schon ganz anders aus. Nahezu jedes Mitglied in den Studios verfolgt vorrangig ästhetische Ziele. Mehr Bizeps, ein breiter Rücken und definierte Bauchmuskeln nehmen bei den Männern Platz 1 unter den Trainingszielen ein. Die Frauen wünschen sich primär straffe Arme und Beine, einen flachen Bauch und einen sexy Po. Auf Platz 2 rangiert bei beiden Geschlechtern immernoch das Abnehmen. Ohne gezielte Fettverbrennung werden die Trainingserfolge beim Muskelaufbau bekanntlich nur geringfügig sichtbar.

Das “Skinny” muss dem “Strong” zunehmend weichen. Trainierte und muskulöse Körper werden gesellschaftlich immer mehr aktzeptiert, gewünscht und damit salonfähig – unter Männern und Frauen! Das führt zu signifikanten Veränderungen auf dem Fitness-Markt, der sich nun vermehrt auf die breite Masse ausrichtet und durch eine konstant wachsende Produktpalette für nahezu alle Zielgruppen interessant wird. Nahrungsergänzungsmittel, Fitnessgeräte und Sportbekleidung sind untrennbar mit erfolgreichem Fitnesstraining verbunden und generieren den größten Umsatz unter den Fitnessprodukten. Die Nachfrage steigt stetig, genau wie das Angebot. Das macht die Produkte auch langfristig für alle Konsumenten attraktiv, die aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten für z.B. Nahrungsergänzungsmittel bisweilen auf den Konsum verzichtet haben.

Die Modelindustrie hinkt dem neuen Fitness-Trend leider etwas hinterher. Anscheinend werden die innovativen Impulse der neuen “Generation Fitness” von Knochen und Knorpeln reflektiert. Wir hoffen und unterstützen hier einen Wandel, weg vom “skinny” und hin zum “strong” !

Fitness-Food statt Fast-Food

Wer in den Größstädten unterwegs ist, hat es vielleicht bereits bemerkt: Auch hier entwickelt sich Fitness zu einem echten Lifestyle und erschafft Raum für neue Geschäftsideen. Sogar das etablierte und beliebte Fast-Food wird vermehrt durch gesundes Fitness-Food unter Druck gesetzt, das zunächst allerdings nur von einzelnen Unternehmen angeboten wird. Die Nachfrage nach nährreichem “Fitness-Food” wächst aber und lässt die Nachfrage nach Cholesterin- und Fettbomben sinken – das Sixpack Training bleibt nämlich erfolglos, wenn die Ernährung nicht adäquat ist. Junge Menschen verzichten zugunsten des Fitnesstrainings sogar auf übermäßigen Alkoholkonsum und geben das Rauchen auf. Eine durchaus positive Entwicklung.

Das, was niemand ausspricht

Der Fitness-Trend hat auch seine Schattenseiten. So hat das Doping mit leistungssteigernden Mitteln gerade unter Jugendlichen signifikant zugenommen. Die eigenen Trainingserfolge stehen hier oftmals über der eigenen Gesundheit – das gesellschaftliche Umfeld (insbesondere beim Training) strebt nach größeren Trainingserfolgen – immer höhere Gewichte und intensivere Trainingseinheiten für mehr Muskeln lassen das Doping schnell als notwendig erscheinen. Zumindest dann, wenn man an der Spitze bleiben will. Schätzungen zufolge macht die Pharma-Industrie besonders in den USA und Osteuropa Millionengewinne mit dem Weiterverkauf von anabolen Steroiden an Zwischenhändler. Ein Großteil der Medikamente wird allerdings nicht für Therapie-Zwecke eingesetzt, sondern landet dann auf dem Schwarzmarkt.

Verhindern lässt sich das Doping, wie in so vielen Sportarten, nur durch eine strenge Kontrolle der Vetriebswege und der Sportler, so wie durch umfangreiche Aufklärung über die dramatischen Nebenwirkungen, die für gewöhnlich erst viele Jahre später auftreten. Doch bis es so weit ist, werden noch viele Sportler durch den unkontrollierten Konsum von Anabolika gesundheitliche Schäden davontragen und die Pharma-Industrie verdient sich daran einen “goldenen Bizeps”.

Fazit

Die rasante Entwicklung der Fitnesswelt hat einen Wachstumsmarkt geschaffen, von dem nicht nur die Fitnessindustrie profitiert. Sinkende Preise für Dienstleistungen und Produkte machen Fitnesstraining auch für besonders junge und alte Kunden attraktiv. Fitness ist schon lange kein einfacher Sport mehr – Fitness ist nunmehr ein Lifestyle, der viele positive Effekte mit sich bringt. Dennoch hat dieser Lifestyle auch einige Schattenseiten, über die nicht viel gesprochen wird. So ist das Doping auch im Fitnesstraining ein allgegenwärtiges Problem, das nur schwierig in den Griff zu bekommen ist, aber Millionengewinne erzielt – auf Kosten der Gesundheit. Dabei geht es doch auch ohne. Gain hard. Make Profit – und zwar natural!

 

 

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